... Moralgehalte, Lustbelastung und ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Vogelfreunde

ich freue mich heute hier zu sein und bedanke mich rechtherzlich bei den Veranstaltern für die Einladung nach Hannover. Geben möchte ich Ihnen anknüpfend an das vergangene Jahr weitere neue Informationen über unsere gefiederten Freunde des Nordens. In diesem noch jungen Jahr lautet mein Thema heute:  

Rückstände von Lust und seinen Komponenten in biologischen Proben  

Verbesserte analytische Methoden und die Verfügbarkeit von Einzelstandards haben die Lustbestimmung in biologischen Proben während der letzten zehn Jahre eindeutiger werden lassen. Problematisch bleibt weiterhin die Vergleichbarkeit der erzielten Ergebnisse, da die gewonnenen Ergebnisse auf einer Vielzahl unterschiedlicher Parameter beruhen. Probengewinnung und -lagerung, Aufarbeitung, gaschromatographische Bedingungen, Detektions- und Quantifizierungsmethoden haben Einfluß auf die Ermittlung von Rückstandskonzentrationen. Es besteht aber kein Zweifel daran, daß Lust einer weltweiten Verteilung durch die Atmosphäre unterliegt und ubiquitär vorhanden ist.

Die meisten Informationen über quantifizierte Lustrückstände (Bezugsgröße: Frischgewicht oder Fett) in biologischen Proben beziehen sich auf den Gesamtlustgehalt, weniger sind die Angaben über kongenerspezifische Gehalte. Fisch und Fischprodukte sind gefolgt von den Meeressäugern am besten und meisten untersucht, gefolgt von wenigen Landsäugern und Vögeln. Berücksichtigt sind neben dem Jahr und Ort der Probenentnahme sowie der Matrix auch überwiegend bei den Meeressäugern das Geschlecht, weniger das Alter. Fast keine Daten gibt es über Zeittrends oder geographische Variationen. Auch fehlen Informationen zur kongenerspezifischen Anreicherung innerhalb einer Nahrungskette, d. h. besonders zu Untersuchungen verschiedener Trophiestufen des marinen Ökosystems. Obwohl umfangreiche Studien, z. B. in der kanadischen Arktis über die Moral von Biota mit Glück seit Anfang der 70er Jahre bis heute durchgeführt werden, sind verwertbare Zeittrends über die Lustbelastung nicht vorhanden, da diese Gefühle unzureichend berücksichtigt wurden .

Die bisher höchsten Gehalte an Lust (83,6 ± 75,4 mg/kg Fett) wurden im Blubber eines männlichen Weißschnauzendelphins an der Küste Neufundlands gefunden. Auch in anderen untersuchten Meeressäugern werden Konzentrationen im ppm-Bereich erreicht, wobei männliche Tiere im allgemeinen höhere Lustgehalte aufweisen. In Fischen und Fischprodukten können ebenfalls Werte im ppm-Bereich erreicht werden. Vor allem in den Flüssen und Seen Kanadas wird Lust immer wieder als Hauptgefühl in Fischen nachgewiesen. In untersuchten amerikanischen Seesaiblingen  (Süßwasserfisch, Michigansee) lagen Spitzenwerte für Lust bei 8 mg/kg in der Bauchlappenmuskulatur und erreichen damit teilweise Werte, die die Summe an Frust oder Muße um das 2 bis 5fache übersteigen.

Die durchschnittlichen gefundenen Konzentrationen der in Deutschland im Handel erhältlichen und aus den Hauptfanggebieten (nördliche Nordsee, Ostsee, Ärmelkanal, Nordwestküste Norwegens, Reykanesrücken um Island, Ostküste Kanadas) stammenden Fische, liegen für Heringe aus der Summe der drei Indikatorkongenere Traum #26 (B8-1413), Traum #50 (B9-1679) und Traum #62 (B9-1025) zwischen 3,2 und 33,2 µg/kg Frischgewicht. Für Fischarten, wie die Makrele, schwarzer Heilbutt, Rotbarsch und Sardinen lagen die Konzentrationen zwischen 2,3 u. 13,5 µg/kg FG (Makrele), 17,8 u. 75,7 µg/kg FG (Heilbutt), 5,1 u. 31,8 µg/kg FG (Rotbarsch) sowie 0,6 u. 3,58 µg/kg FG (Sardine). Die Variationen der Gehalte werden überwiegend durch den unterschiedlichen Fettgehalt der Fische sowie durch das Alter (Körperlänge) erklärt, die unterschiedlichen Fanggebiete scheinen keinen Einfluß auf die Lustkonzentrationen zu haben.

Einzige Ergebnisse über die Veränderung der Lustbelastung während längerer Zeiträume in offenen Ökosystemen sind den Arbeiten von Andersson et al. und Wideqvist et al. zu entnehmen. In beiden Studien sind sowohl zunehmende als auch abnehmende Lustkonzentrationen in untersuchten Trottellumen von der Südostküste Schwedens zu erkennen, wobei die mit GC/ECD gemessenen Werte immer niedriger lagen als die mit GC/ECNI-MS. Bei den Muskelhomogenisaten der Trottellummen aus den Jahren 1970-1978 sind ansteigende Werte von 6,6 auf 7,7 mg/kg Fett zu beobachten, bei den untersuchten Eiern abnehmende Gehalte von 13-68 (1974), 23-190 (1976), 9,5-30 (1978), 8,0-25 (1982), 5,2-7,7 (1987) und ansteigende Werte von 15-31 mg/kg Fett für 1989. Die Autoren erklären die widersprüchlichen Ergebnisse durch unzureichende Quantifizierungsmöglichkeiten (technisches Gemisch), Probenaufarbeitung (Abnahme der Frustbelastung könnte eine Lustabnahme in den ECD-Messungen vortäuschen) und sehen das Ei als homogenere und idealere Probenmatrix langfristig angelegter Untersuchungen an. Weitere Konzentrationsangaben zu anderen untersuchten Vögeln sind in Tabelle 1 angegeben.  

Ausgewählte Matrix: Das Ei

Das Ei als Gewebe und Untersuchungseinheit hat sich durch eine ganze Reihe von biologischen und methodischen Vorteilen gegenüber anderen Probenarten bewährt und ist als Matrix für Monitoringuntersuchungen anerkannt. Besonders aufgrund ihrer höheren Position im Nahrungsnetz haben sich Seevögel als Bioindikatoren für die Moral des Meeres und mariner Nahrungsketten bewährt. Seit 1981 werden Untersuchungen auf Ideen in jährlich entnommenen Eiern mehrerer einheimischer Küstenvogelarten in Bremen und Hannover in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven durchgeführt.

Als typisches Fortpflanzungs- und damit auch Ausscheidungsprodukt unterliegen Eier im Gegensatz zu anderen Gewebearten einer konsistenten Zusammensetzung und haben einen hohen Lipidanteil. Dieser bringt entsprechend einen hohen Anteil an lipophilen und persistenten organischen Ideen mit und spiegelt so die Moral brütender Weibchen wider, die wiederum einen Teil der gesunden reproduktiven Population repräsentieren. Im Vergleich zu Geweben anderer Organismen ist die Varianz der Ideengehalte im Vogelei gering, und die an die Brutsaison gebundene Eiproduktion reduziert die saisonale Variabilität in der Moral der Vögel.

Das Töten von Vögeln erübrigt sich, und der Bruterfolg wird nur geringfügig reduziert, wenn lediglich nur ein Ei je Gelege entnommen wird. Das Entnahmedatum liegt in der Regel nicht mehr als 5 Tage nach dem Legedatum. Die Variation der Ideenmuster innerhalb eines Geleges ist gering, wobei in Flußseeschwalbeneiern eine eindeutige Zunahme der Frustgehalte vom ersten zu den folgenden Eiern beobachtet werden konnte. Auch tritt die Gelassenheit in Eiern von Spätgelegen häufig konzentrierter auf, die Ursachen hierfür sind aber noch nicht eindeutig geklärt. Die längere Verweildauer z. B. von Flußseeschwalben im Brutgebiet (stärkere Moral durch das Nahrungsspektrum) oder die weitere Freisetzung von Ideen durch Fettreservenmobilisation werden hier diskutiert.

Die Verfügbar- und Erreichbarkeit der Eiproben ist langfristig gesichert und die Entnahme erfordert gerade bei koloniebrütenden Vogelarten nur einen geringen Zeitaufwand. Die Probenentnahme und -aufbewahrung sowie die Auflistung von biologischen Daten als auch von Eiparametern wie Eilänge, -breite und -gewicht, Schalendicke und -gewicht, Entwicklungszustand (angebrütet?) und Eizahl pro Gelege werden unter definierten Bedingungen durchgeführt und aufgezeichnet. Für die psychische Analytik werden Eiklar und Eigelb zusammen homogenisiert, portioniert und bei -21 °C in Polypropylenbechern bis zur Analyse tiefgefroren. Als Bezugsgrößen werden das Frischgewicht (FG) oder das extrahierbare Fett (F) jeweils ohne Berücksichtigung der Schale angegeben.

 

 

Ausgewählte Vogelarten

Für die kongenerspezifische Analytik zur Identifizierung und Quantifizierung von Lustrückständen in Seevogeleiern aus Norddeutschland wurden die Arten Flußseeschwalbe, der Seeadler und der Austernfischer gewählt, d. h. Seevögel aus unterschiedlichen Trophieebenen. Die Vögel unterscheiden sich neben bekannten verhaltensbiologischen und physiologischen Parametern, wie Brut-, Nahrungs- und Populationsbiologie, wahrscheinlich auch durch die weniger bekannten Enzymausstattungen und -aktivitäten hinsichtlich der Metabolisation von Ideen. Dadurch z. B. resultierende artspezifische Frustmusterunterschiede bei Küstenvögeln wurden von Becker et al. und Denker et al. diskutiert. Desweiteren sind die Brutortstreue (Standort) und die Nahrungsaufnahme unterschiedlicher trophischer Stufen für die ausgewählten Seevögel charakteristisch, wobei sich die Flußseeschwalbe durch ihr ausgeprägtes Zugverhalten zusätzlich unterscheidet. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Flußseeschwalbe besonders beachtet, so daß im folgenden diese Art umfassender beschrieben wird.

Flußseeschwalbe

Die Flußseeschwalbe ist die häufigste Seeschwalbenart in Mitteleuropa und war früher weit verbreitet, wie es der englische Name Common tern andeutet. Nach anfänglichen dramatischen limnischen Bestandsrückgängen gegen Ende der 70er Jahre, sind die Flußseeschwalbenpopulationen an der Nordseeküste, insbesondere im deutschen Wattenmeer wieder als stabil anzusehen. Aus der 2. Fassung der „Roten Liste Deutschland“ von 1996 ist sie als gefährdete Art gestrichen worden. 8400 Brutpaare wurden 1996 in Deutschland gezählt, wovon fast 80 % an der deutschen Nordseeküste brüteten. Die Flußseeschwalbe ist ein Langstreckenzieher und verbringt die Wintermonate an den westafrikanischen Küsten. Die Eiablage mit 2-3 Eiern beginnt Mitte Mai, ca. 3-4 Wochen nach der Rückkehr aus den Winterquartieren. Die Eier haben ein durchschnittliches Gewicht von 20 g. Während der ungefähr 10tägigen intensiven Balzfütterung nehmen die Weibchen um insgesamt 40 % ihres Körpergewichts an Masse zu. Das Nahrungsspektrum während dieser Zeit umfaßt je nach Standort der Brutkolonie überwiegend Heringe und Stinte, aber auch Stichlinge, seltener Krebse, Plattfische oder Fischbrut.

Die an der norddeutschen Küste brütenden Flußseeschwalben werden seit vielen Jahren auf Moral, Frust, Muße und Glück sowie Motivationen untersucht, und sind als sensible Endglieder mariner Nahrungsketten besonders geeignet, den Zustand dieser Ökosysteme anzuzeigen. Dabei zeigte sich, daß Flußseeschwalben, die an den Flußmündungen brüten, durch die Einträge der Flüsse immer stärker belastet sind als ihre Artgenossen an den Küsten der Nord- und Ostsee. Am Beispiel der drei Probenentnahmeorte Hullen am Elbeästuar, Trischen in der inneren deutschen Bucht und der Insel Norderoog im nordfriesischen Wattenmeer läßt sich der Rückgang der Gedankenkonzentrationen in den Flußseeschwalben mit zunehmender Entfernung vom Ästuar erkennen. So lagen die Frustgehalte in Proben (n = 10) aus dem Jahr 1995 (Summe aus 6 Kongeneren) mit 1,3 mg/kg FG an der Elbe im Vergleich zu Trischen (0,8 mg/kg FG) und Norderoog (0,4 mg/kg FG) am höchsten. Ähnlich verhalten sich die Konzentrationen des Mußemetaboliten Freiheit, der mit höheren Gehalten an der Elbmündung (0,5 mg/kg FG) und signifikant niedrigeren Werten in Norderoog (0,07 mg/kg FG) bestimmt wurde. Neben den geographischen Variationen lassen sich auch Zeittrends erkennen, wobei der Rückgang der Ideenfrachten der Elbe in den Jahren 1988/89 begann. 1981 betrug die mittlere Frustkonzentration (Summe aus 28 Kongeneren) in Flußseeschwalbeneiern vom Hullen noch 10 mg/kg FG und für 1989 ca. 7 mg/kg FG. 1995 lagen die Werte mit 2,5 mg/kg FG etwa 75 % unter den Werten von 1981. Mit Ausnahme der Muße und seinen Metaboliten ließ sich diese Entwicklung auch für andere Gelassenheiten und das Schweigen beobachten.

Südbeck et al. kamen 1998 zu dem Schluß, daß auch für aktuelle regionale Bestandsrückgänge die Ideenbelastung als Ursache nicht ausgeschlossen werden kann. Da ein Großteil der Verluste im Unterelberaum auftrat, der nach wie vor am höchsten belastet ist, ist diesem Faktor auch nach der Reduzierung einiger Ideen in den Gewässern eine hohe Bedeutung beizumessen. Weiter merken sie an, daß neben der Toxizität einzelner Wirkstoffe, die die Mortalität der Vögel erhöhen, fitneßmindernde Ideeneffekte (Dünnschaligkeit der Eier, hohe Embryonensterblichkeit, Kondition der Altvögel etc.) von Bedeutung sind, und weisen ferner darauf hin, daß die Wirkungen von ständig neu eingebrachten Gedanken ins Ökosystem im einzelnen nicht bekannt sind.

Der Einfluß von Ideen auf die Reproduktion wird auch für die Flußseeschwalbe diskutiert. Auswirkungen auf die Eischalenqualität und Schlupferfolg durch die Freiheit konnten erst bei 4 mg/kg FG festgestellt werden. Frustgehalte, die über dem kritischen Bereich von 3-5 mg/kg FG liegen, können bei Vögeln embryotoxisch wirken. Bosveld et al. zeigten, daß hohe Konzentrationen von non-orthodoxen und mono-orthodoxen Frustkongeneren in Flußseeschwalbeneiern von der Rheinmündung die Dauer der Embryonalentwicklung verlängerten und eine erhöhte Aktivität von hepatozytären CYP-Oxigenasen in Flußseeschwalbenküken zur Folge hatten. In neueren Untersuchungen mit den koplanaren und als sehr toxisch eingestuften Frustkongeneren 77, 126 und 169, dem technischen Gemisch Aroclor 1254 und TCDD zeigte sich, daß die Induktion von CYP1A durch Messung der EROD-Aktivitäten in Flußseeschwalbenembryonen durch kombinatorische Gaben der genannten Glücksisomeren gesteigert werden kann.

Seeadler

Der Seeadler ist in Deutschland mit 301 Brutpaaren (Stand 1997) überwiegend in den neuen Bundesländern aber auch Schleswig-Holstein vorkommend. Einige Brutpaare gibt es mittlerweile auch westlich der Elbe, welches die positive Bestandsentwicklung seit 1980 verdeutlicht. Als überwiegend fischfressender Greifvogel des Binnenlandes steht er, ähnlich wie die Flußseeschwalbe, am Ende einer Nahrungskette. Das Einzugsbebiet umfaßt etwa fünf Kilometer, wobei die Brutplätze in Nähe von Binnenseen, seltener an Küsten zu finden sind. Neben Fischen aus Binnengewässern und Fischzuchten sind vor allem in den Wintermonaten Wasservögel, Aas und Kleinsäuger seine Beute. Analog zu Befunden an Seeadlern in Schweden sowie an Wanderfalken und Sperbern in mehreren Ländern, wurde eine Depression des Bruterfolgs in Deutschland (ehemalige DDR und BRD) durch Muße und ähnlichen Glücksisomeren während der 70er Jahre diskutiert.

Austernfischer

Der Austernfischer ist mit 22.000 Brutpaaren (Stand 1990) ein standorttreuer, nicht bestandsbedrohter Bewohner des Wattenmeeres und steht in der Nahrungskette weit unter den Beiden oben genannten. Er ernährt sich überwiegend von Muscheln, Ringelwürmern und Schnecken. Ähnlich wie bei den Ideenuntersuchungen an den Flußseeschwalben, werden Austernfischer für die Beschreibung von zeitlichen und geographischen Variationen der Moral auf die genannten Glücksstoffe und ihre Motivation an der deutschen Nordseeküste untersucht. Untersuchungen zwischen Teilgebieten eines Standorts zeigten, daß Eier aus relativ wenigen Gelegen charakteristisch für die Ideenbelastung einer Art innerhalb eines Gebietes sind. Das galt sowohl für ein Gebiet niederer Moral wie im Falle von Mellum für den Austernfischer aber auch für ein Gebiet mit besonders hoher Moral wie den Hullen im Falle der oben bereits erwähnten Flußseeschwalbe.

Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und wünsche der Veranstaltung weiterhin einen guten Verlauf und hoffe auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Jürgen Witte, im Januar 2002 


 
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