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Was willst Du?

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Gestreift und gespritzt

Drei Preisträger und 44 „Perspektiven“: Nach drei Jahren wird wieder eine Herbstausstellung niedersächsischer Künstler eröffnet

Eine städtische Szene, Ecke Charlotten-/Allerstraße: An einem laubfroschgrün gespritzten VW Polo lehnt ein Fahrrad. Der Autobesitzer wird toben, denkt man – und hört auch schon die Bässe aus dem Wagen wummern. Nicht nur nach hannoversch-Lindener Maßstäben ist der Lärm reichlich dreist. Entworfen hat die flippige Szenerie Jürgen Witte, ihm gehören Polo und Rad. Doch die Technomusik lösen die aus, die dem Auto am Rande des Ahrberg-Viertels zu nahe kommen: Der Pkw mit den ohrenbetäubenden Verstärkern ist mit einem Bewegungsmelder ausgerüstet.

Das Blech tobt. Ein stilvoller, aber auch missverständlicher Auftakt für die Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, die heute eröffnet wird, und doch auffällig viele ruhige Zonen bietet. Der grasgrüne Schrecken ist unmittelbar vor dem Lindener Kesselhaus geparkt, in der die traditionsreiche Kunstschau auch zu sehen ist. Drei Orte sind diesmal einbezogen, neben dem Kesselhaus noch der Kubus und natürlich der Kunstverein Hannover, der sich schon früh für diese „Leistungsschauen“ verantwortlich fühlte. 1904 verzeichnet die Chronik eine erste Herbstausstellung. Vor drei Jahren gab es die vorerst letzte, allerdings nicht im Herbst, sondern im Frühjahr. Jetzt sind wir bei der 81., der ersten Herbstausstellung von Kunstvereinschef Stephan Berg. Er nennt sie „Perspektiven“.

Mehr als 300 Bewerbungen musste die Jury sortieren, 44 machten das Rennen, Künstler der Jahrgänge 1978 bis 1942. Mehr als 100 Arbeiten mussten zu einem attraktiven Überblick über die regionale Kunstszene verbunden werden. Darunter sind unbekannte Namen wie Richard Wake, dessen „Gehäutetes Sofa“ im Kubus Gemütlichkeit nicht aufkommen lässt. Oder Astrid Brandt , die mit ausschnitthaften Bleistift-Interieurs den Blick auf das Ganze schärft.

Bekannte Namen überraschen mit neuen Arbeiten. Der 36-jährige Bjørn Melhus beispielsweise, Niedersachsens erfolgreichster Verwandlungs- und Videokünstler, mit seinen ironischen Aperçus zu Kitsch und Konsum. Auch der 62-jährige Timm Ulrichs. Der Konzept-Klassiker stellt – erstmals in Hannover – eine Fotoserie von 1984 vor: Stühle, mit denen Umzugsaspiranten ihren Parkplatz markieren. Deutschlands Totalkünstler wundert sich auch fast zwanzig Jahre später noch über den merkwürdigen Hang zur Symmetrie. Ironien in altersbedingter Ausprägung.

Mittendrin und selbstbewusst die Werke der ebenfalls von der Jury gewählten drei Preisträger: Stadtsparkassen-Preisträger Rüdiger Stanko und die Preisträger des Kunstvereins Antje Schiffers und Thomas Ganzenmüller, die als Stipendiaten in den nächsten zwei Jahren in der Villa Minimo in Hannover residieren (siehe nebenstehend).

Ausnehmend viel Malerei ist vertreten. Besser: viel Malerisches. Denn selbst Video-Installationen wie die von Anna Gollwitzer oder von Pascale Komarnicki leben vom Ausdruck der Farbe. Und vom verspielten Humor. Die aufregendste Skulptur entwarf Andreas Gehlen, der zurzeit gerade Meisterschüler an der Braunschweiger Hochschule ist. Auch er zitiert. Nur verrät er nie, was. So viel melancholische Sprachlosigkeit erhöht die Lust aufs Wiedersehen dieser extrem luftig arrangierten Kunstschau.

Alexandra Glanz, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 2003

 

 
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