warm wet-fish handshake

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... Das Projekt "Linie 10: von a nach b" war die erste Zusammenarbeit des Künstlers mit der üstra. Initiatoren der Idee sind die Mitarbeiter des "kik. kunst in kontakt". Ihr "Kunstraum 10" liegt an der Limmerstraße in Linden. Genau dort fährt die Linie 10 tagein, tagaus entlang. Logische Folge: üstra und Kunst mussten sich kreuzen. Die grünen Stadtbahnen erwiesen sich als idealer Ort für Kunst im öffentlichen Raum. Nirgendwo sonst ist das Publikum so bunt gemischt, und doch so individuell in der Masse zu erleben.

Jürgen Witte kam auf die Idee, Kunstleder-Handschuhe um die Halteschlaufen zu positionieren und das Ganze "warm wet-fish handshake" zu nennen. So seltsam wie der Titel des Projektes, so offensichtlich war auch die Scheu vieler Fahrgäste davor, ihre Hände in die warmen Felltaschen zu stecken. Künstler Witte, der als Beobachter einige Male mit der Linie 10 gefahren ist, beschreibt seine Erfahrungen so: "Es gibt Fahrgäste, die reinfassen aber es gibt definitiv eine Hemmschwelle. Handschuhe sind wohl zu vergleichen mit Zahnbürsten, die scheinen privat zu sein. Die Leute tauschen nicht gern ihre Handschuhe mit jemand anderem. Hinzu kommt, dass man nicht weiß, was einen beim Hineingreifen erwartet". Besonders reizvoll findet Jürgen Witte den zeitlichen Aspekt von Kunst im Außenraum. "Orte wie die Stadtbahnen, tauchen temporär in einen Kunstkontext ein und verschwinden letztlich mit der Arbeit". Spannend und lehrreich war die Arbeit im Nachhinein auch für den Künstler selbst, "wir haben auf dem Betriebshof unsere Projekte fertig gestellt, nur um dann festzustellen, dass sie gar nicht fertig waren. Es fehlten die Fahrgäste, um das Ganze komplett zu machen. Ein Projekt in der Form ohne Menschen ist sinnlos." Die Fahrgäste der üstra waren somit vom 17. bis 28. Februar 2003 Bestandteil der Kunst im öffentlichen Raum.

Jürgen Wittes Projekt gefiel der Jury, weil es "völlig aus dem Rahmen fiel". Der Projektkünstler selbst wollte eine einfache Idee umsetzen. "Ich habe den Vor teil gehabt, dass ich dreizehn Jahre in Hannover gewohnt habe. Ich kannte die grünen Stadtbahnen ziemlich gut. Die besitzen eine eigene Ästhetik. Mir war klar, dass ich da mitschwimmen und nicht etwas Konträres machen wollte. Die Mittel sollten ähnlich sein, wie die bereits vorhandenen. Das Kunstleder, das ich für die Handschuhe verwendet habe, erinnerte mich an die 70er und 80er Jahre, das passte." Das Material musste vor Jürgen Wittes Augen die Feuertaufe bestehen. Der Sicherheitsbeauftragte der üstra kokelte mit einem Feuerzeug daran herum- erfolglos. "Der Handschuh schwelte nur gemächlich vor sich hin, somit durften die Handschuhe ihre erste Fahrt antreten," erinnert sich der Künstler.

Zur Zeit ist Jürgen Witte eifriger Nutzer der Deutschen Bahn, der üstra und der Bremer Stadtbahnen. "Ich pendele zwischen Bremen und Hannover, weil ich zur Zeit einen Forschungsauftrag hier habe." Seine Wahrnehmung hat sich durch das Projekt "Linie 10: von a nach b" aber nicht geändert. Laut eigenen Aussagen beobachtet er immer, was um ihn herum geschieht. Ein Augenzwinkern ist immer dabei, ob beim "warm wet-fish handshake" oder anderen Arbeiten des Künstlers. Die Wirkung entfaltet sich dem Betrachter/Benutzer erst auf den zweiten Blick/Griff. Demnächst arbeitet Jürgen Witte in Italien, dort wird er das Publikum bestimmt auch mit seinen Ideen bewegen.

Tanja Requardt, Üstra News, Hannover 2003

 


 
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